Fans erleben Herzschlagfinale

Die Fans in London und vor dem Fernseher haben ein dramatisches Herzschlagfinale um den ersten Titel der Formel E und einen Lucas di Grassi mit großem Kämpferherz erlebt. Dennoch: Im Ziel musste sich der Brasilianer aus dem Team ABT nach dem letzten von elf Rennen mit dem dritten Rang der Gesamtwertung zufrieden geben. Champion ist Nelson Piquet jr.

Der letzte Renntag der Premierensaison verlief kurios: Zum ersten Mal überhaupt in der Geschichte der Elektro-Rennserie wurde ein Zeittraining bei wechselhaften Bedingungen ausgetragen. Im Pech: Lucas di Grassi, der in der letzten von vier Gruppen auf die Strecke gehen musste – und das bei strömendem Regen. Zwar erzielte der Brasilianer die beste Zeit auf nasser Strecke, ging aber nur von Rang elf ins Rennen. Teamkollege Daniel Abt erwischte ebenfalls die nasse Phase und startete von Position 18.

Im Rennen über 29 Runden durch den Battersea Park versuchte di Grassi alles, um den Rückstand auf Sébastien Buemi und Nelson Piquet aufzuholen, nahm dem späteren Champion mit Rang sechs sechs Punkte ab – zu wenig, um die Sensation noch zu schaffen. „Wir haben alles gegeben und bis zum Schluss um den Titel gekämpft – darauf hatten wir uns als Team eingeschworen. Wir haben die Meisterschaft nicht gewonnen, aber wir reisen mit erhobenem Kopf nach Hause und sind stolz, dass wir in der ersten Saison der Formel E um den Titel gefahren sind“, sagt di Grassi, der den Saisonauftakt in Peking gewonnen hatte und anschließend fünf weitere Male auf dem Podium feierte. Die Motivation ist ungebrochen. Lucas di Grassi: „Ab morgen beginnt unsere Vorbereitung auf die neue Saison.“ Daniel Abt verpasste mit Rang elf beim Saisonfinale nur knapp weitere Punkte.

Nach der Welttournee der Formel E, die von Asien über Süd- und Nordamerika nach Europa führte, belegt Lucas di Grassi den dritten Platz in der Gesamtwertung. Daniel Abt beendet die Saison auf dem elften Platz. In der Teamwertung belegt ABT Sportsline den dritten Platz.

„Wir haben unseren Fans vor dem Wochenende versprochen, bis zum letzten Rennen um den Formel-E-Titel zu kämpfen – das haben wir mit großer Leidenschaft getan. Jetzt gratulieren wir Nelson (Piquet) zur Meisterschaft und der Mannschaft von Alain Prost zum Gewinn der Teamwertung. Wer nach einer langen Saison oben steht, ist zweifellos ein verdienter Champion“, sagt Teamchef Hans-Jürgen Abt. „Mein Dank geht heute aber auch an unsere Mechaniker, Ingenieure und natürlich an Daniel (Abt) und Lucas (di Grassi). Wir haben uns auch durch einige Rückschläge nicht aus der Ruhe bringen lassen und sind immer wieder zurückgekommen. In meinen Augen ist Lucas, der schuldlos durch einen technischen Defekt und eine Disqualifikation zwei sichere Siege verloren hat, auch ohne Titel ein Champion.“

Zeit zum Durchatmen hat die Mannschaft aus Kempten nicht: Bereits vor zweieinhalb Wochen hat die nächste Generation des Formel-E-Autos seine erste Ausfahrt absolviert. „Wir sind stolz, von Anfang an ein Teil der Formel-E-Familie zu sein“, sagt Hans-Jürgen Abt. „Mit der Rolle als Hersteller und der Entwicklung eines eigenen Rennautos machen wir jetzt den nächsten Schritt. Wir haben in den kommenden Wochen und Monaten eine Menge Arbeit vor uns, bevor es im Oktober in die zweite Saison geht. Wir freuen uns schon jetzt auf die Revanche!“

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