,,ALLE WIEDER ROOKIES''
Daniel Abt aboslviert seine fünfte Saison in der Formel E. Der 26 Jahre alte Deutsche über den kompletten Neustart der Serie, sein Leben abseits der Rennstrecke und einen nächtlichen Polizeieinsatz.

 

 

Sie sind einer von nur sechs Piloten mit allen 45 Rennen auf dem Konto – was ist das für ein Gefühl, mit Mitte  20 zu den Routiniers der Formel E zu gehören?

Auf jeden Fall ein sehr ungewohntes Gefühl. Bis jetzt war ich sehr oft der Frischling im Fahrerlager, aber jetzt kenne ich alle Abläufe und Menschen. Das gibt mir natürlich eine gewisse Sicherheit´und macht Spaß. Aber wenn man sich anschaut, was sich jetzt in der Formel E alles ändern wird – Autos, Regeln, Teams –, dann sind wir wohl in der neuen Saison alle wieder Rookies. 

Hätten Sie Anfang 2014 gedacht, dass Sie 2018 in Ihre zweite Saison als Audi-Werksfahrer in der Formel E starten?

Überhaupt nicht. Zunächst einmal habe ich nicht geglaubt, dass die Formel E so schnell an Bedeutung gewinnt und nach kurzer Zeit schon so relevant für den Motorsport wird. Eine Marke wie Audi als Werksfahrer zu repräsentieren ist der Traum vieler junger Piloten. Mich macht es jeden Tag wieder stolz, offiziell an Bord zu sein – auch wenn ich mich schon in den Jahren zuvor als Mitglied der Audi-Familie gefühlt habe.

Zürich und Uruguay sind in dieser Saison nicht dabei, dafür rückt zum Beispiel mit Monaco eine Ihrer Lieblingsstrecken wieder in den Kalender. Welche Locations hätten Sie sonst noch gern?

Freie Auswahl? Dann auf jeden Fall Los Angeles – aber nicht wie in den ersten beiden Saisons Long Beach, sondern Downtown L.A. Ich liebe Kalifornien 145 # SPORT einfach und vermisse die Zeiten dort. Aber ich will mich nicht beschweren, denn die Formel E fährt ja schon in tollen Städten, und jede Saison kommt mindestens eine neue aufregende Location dazu.

Die Vorbereitung auf ein Rennwochenende – vergleichen Sie da doch mal bitte die Zeit vor dem allerersten Rennen in Peking und vor dem Auftakt zur Saison 5.

(lacht) Würde nur unser Team mit dem Wissen von heute noch einmal in den September 2014 (erstes Formel-E-Rennen der Geschichte, Anm. d. Red.) zurückreisen, würden wir wahrscheinlich mit eineinhalb Runden Vorsprung gewinnen. Aber im Ernst: Der Unterschied ist gigantisch, alles ist viel professioneller geworden. Allein die Vorbereitung im Simulator: Früher haben wir uns in so einem kleinen Ding ein bisschen auf die Strecke eingeschossen, und heute, mit dem Know-how von Audi im Rücken, schauen mir zehn Mann beim Fahren zu.

Rennen, Reisen, Testfahrten, PR-Termine, Simulator – Sie verbringen mit Lucas di Grassi mehr Zeit als mit vielen Ihrer Freunde. Wie ist das Zusammenleben?

Wenn man so lange mit-, aber eben auch gegeneinander fährt, ist es aus meiner Sicht nicht selbstverständlich, dass man sich so versteht wie Lucas und ich. Wir respektieren uns gegenseitig, haben uns in den vergangenen Jahren viel geholfen und viel gepusht. Dadurch haben wir eine sehr gute Basis geschaffen, die uns dann hilft, wenn wir uns auf der Strecke mal in die Quere kommen – was immer passieren kann, denn schließlich wollen wir beide immer gewinnen. Das ist auch gut so, denn so ein Wochenende wie zuletzt in New York, wo wir mit einem Doppelschlag noch die Teammeisterschaft geholt haben, kann nur mit vereinten Kräften gelingen.

Es wird oft der ganz besondere Spirit im Fahrerlager erwähnt. Was ist damit gemeint?

Dieser besondere Spirit herrscht, weil immer noch alle im Fahrerlager das Gefühl haben, Teil eines coolen, neuen Start-ups zu sein. Zwar sind wir Fahrer Konkurrenten, aber wir wollen alle auch Spaß haben und das große Ganze weiter voranbringen.

Wir führen dieses Gespräch morgens um kurz vor acht, und Sie sitzen im Büro – es gibt also ein Leben neben dem Motorsport?

(lacht) Ja, in den vergangenen Jahren hat sich auch abseits des Motorsports viel verändert. Ich teile mir das Büro mit drei Jungs, und gemeinsam treiben wir meinen Kanal auf YouTube voran. Das ist ja ursprünglich mal als Spaß entstanden, dass ich mich selbst mit der Kamera gefilmt habe, aber inzwischen ein professionelles Geschäft geworden. Nicht nur für mich persönlich, sondern auch für ABT Sportsline, wo wir ja ein Teil der Marketing-Abteilung sind. Außerdem darf ich als Markenbotschafter für viele unserer Partner unterwegs sein. Ich finde es toll, dieses Leben neben dem Motorsport zu haben, wo man sein Wissen und seine Energie einbringen kann.

Sie sind die fünfte Generation eines Familienunternehmens, das mal als Pferdeschmiede gegründet wurde. Wie passt das  mit Baseballcaps und Instagram-Storys zusammen?

Es sind heute einfach die sozialen Kanäle, auf denen kommuniziert wird. Ich verstehe, wenn andere Generationen damit nicht viel anfangen können, aber ich bin mit dem Thema aufgewachsen und sehe die Chancen. Wenn man diesen Zug verpasst, dann verliert man auch als Unternehmen den Anschluss. Das Feedback, das wir auf unsere Arbeit bekommen, zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind und viel für das Image der Marke erreichen.

Beim Stöbern durch Ihren Kanal findet man Tests mit Supersportwagen genauso wie Nonsens oder Fallschirmsprünge. Welcher Dreh ist noch in Erinnerung?

Nie vergessen werde ich den ersten Dreh mit meinem neuen Team. Wir haben im Stil der Netflix-Serie Haus des Geldes in der Waschhalle von ABT eine Entführung nachgestellt. Leider kam spätabends noch ein Lieferant, der dann Schreie gehört und Masken gesehen hat. Er hat die Polizei alarmiert, die dann mit einem Großaufgebot angerückt ist. Zum Glück hat sich das schnell aufgeklärt …

Sie hatten schon die Gelegenheit, den neuen Audi e-tron bei einem Event in Namibia richtig zu testen. Wie gefällt er Ihnen?

Ich war auf Einladung von Audi in Namibia und konnte mich da zusammen mit dem VJ mal so richtig in der Wüste austoben und den e-tron testen. Ein tolles Auto, das megaviel Spaß gemacht hat – was man in den Videos ja auch deutlich sehen konnte.

Und um direkt zu fragen: ABT RS6+ oder Audi e-tron?

ABT RS e-tron. (lacht) Da gibt es keine Antwort, denn wer Autos liebt, der kann beide Welten lieben. Jedes Modell hat seine Berechtigung und ist für das eine oder andere Umfeld besser geeignet. Nicht schwarz-weiß denken, sondern genießen.