RS4³

Mit dem RS2 fing 1994 alles an! Porsche blies dem kompakten Audi 80 Avant mit 315 Turbo-PS jegliche Biederkeit aus dem Blechkleid. Die Idee vom Sportwagen im Kombi-look war geboren. Seit 1999 hören die Brandstifter mit der Biedermann’schen Praxistauglichkeit auf das Kürzel RS4. Für ABT Sportsline die Perfekte Basis für eigene Zündende Ideen – Wie diese Prachtexemplare aus drei generationen eindrucksvoll beweisen.

Wie gesagt: Mit dem RS2 fängt diese ruhmreiche Geschichte des Automobilbaus an. Nicht nur Drift-Ikone Walter Röhrl ist damals voll des Lobes. „Ich sehe in der heutigen Zeit einen der größten Vorteile dieses Modells darin, dass es mehr wie ein normales Familienauto ausschaut, jedoch die Fahrleistungen eines reinrassigen Sportwagens bietet.“ Binnen zwei Jahren werden 2.891 Stück produziert, rund 700 mehr als ursprünglich geplant. 1996 ist das Kapitel RS2 abgeschlossen. Der Leistungshunger der angefixten Klientel wird erst 1999 wieder gestillt – mit dem ersten RS4. Statt fünf sind nun sechs Zylinder im Motorraum im Einsatz, außerdem ein zweiter Turbolader. Entsprechend wuchs die Leistung: von 315 im RS2 auf nunmehr 381 PS. Verantwortlich für den Nachschlag zeichnet nicht mehr Porsche, sondern die damalige Audi-Tochter Cosworth. „Das Auto war ein echter Traumwagen, der Motor eine Wucht“, erinnert sich Hans-Jürgen Abt noch heute. Es gibt nur einen Haken: Erneut lässt Audi die Produktion des Super-Kombis 2001 nach zwei Jahren auslaufen. Abt: „Und da kamen wir ins Spiel. Wir haben den Motor in Eigenregie weiter in A4-Kombis verpflanzt und noch 19 zusätzliche PS mobilisiert, auf speziellen Wunsch sogar insgesamt 450 PS.“ Die auto, motor und sport schrieb damals über das ABT AS400 genannte und hier gezeigte feuerrote Spielmobil: „Wie das Original ist auch der nachgemachte RS auf Basis der letzten A4-Generation ein ­Bungee-Kombi für Extremsport-Familienväter. Wenn sich seine 500 Newtonmeter zusammenballen, dazu der Sechszylinder-Fanfarenchor trompetet, läuft dem Fahrer der eiskalte Schauer über den Rücken.“ So etwas bekommt ein Fahrzeugveredler doch gern als Arbeitszeugnis ausgestellt.

ABT hält am Biturbo fest

2005 schreibt Audi die RS-Story eigenhändig weiter – allerdings mit ideologischem Kurswechsel unter der Haube: Hochdrehzahl-V8 statt Biturbo-V6. „Wie viele Fans haben wir dem Cosworth-Aggregat nachgetrauert. Unsere pragmatische Lösung: den altbewährten Motor ins neue Auto verfrachten“, so Abt. Eine Leistungssteigerung auf 480 PS gibt’s für den nun AS4R genannten Sportsfreund aus dem Allgäu on top. Auto Bild verglich die beiden rasanten Brüder auf der Rennstrecke in Oschersleben, und siehe da: Knapp 1,3 Sekunden war die ABT Variante schneller. Eine echte Hausnummer.

Im Herbst 2017 kehrt Audi mit der vierten Generation des RS4 zum V6-Biturbo zurück. ABT präsentiert wenig später auf dem Genfer Autosalon seine Interpretation: den RS4-R mit 530 PS statt 450 Serien-Pferden.

 

Qual der Wahl – oder eben nicht

Auf die Frage, welches der drei Prachtstücke sein Liebling ist, antwortet Hans-Jürgen Abt salomonisch: „Alle drei sind wunderbare Autos und jedes Modell zu seiner Zeit absolut State-of-the-Art. Natürlich lässt sich der Fortschritt nicht leugnen, wenn man aus dem RS4-R in einen seiner Vorgänger umsteigt, aber reizvoll ist jeder auf seine Art.“ Gut für ihn, dass er als Geschäftsführer von ABT Sportsline das Privileg genießt, sich nicht festlegen zu müssen. Heute rot, morgen hellgrau, übermorgen Anthrazit – das Trio steht startbereit in der Firmengarage.