Vom Pionier zum Impulsgeber

Die Volkswagen-Tochter Škoda und ABT haben erstaunlich viele Gemeinsamkeiten. Beide Firmen sind fast gleich alt, hatten weitsichtige Unternehmensgründer. Beide Marken sind stark im Motorsport verwurzelt. uptrend blickt in die bewegte Škoda-Firmengeschichte.

Unternehmergeist und Technikbegeisterung durch und durch: Noch ein Jahr bevor sich Johann Abt im Allgäu als Schmied selbstständig macht, steigen ein paar Hundert Kilometer weiter östlich im tschechischen Mladá Boleslav (wo noch heute der Firmensitz von Škoda ist) der Buchhändler Václav Klement und der Mechaniker Václav Laurin 1895 ins Fahrradgeschäft ein. Schon bald bringen die beiden Unternehmer motorisierte Zweiräder auf den Markt.

Durch zahlreiche spektakuläre Rennsiege werden die gleichermaßen schnellen wie zuverlässigen Gefährte aus dem Hause Laurin & Klement rasch bekannt, auch weit über die Grenzen der tschechischen Heimat hinweg. Marketing mittels Motorsport – eine Parallele zu ABT. Denn dort fährt Gründer-Enkel Johann Abt ab 1950 Motorrad- und Autorennen, gründet 1967 ABT Tuning, den Vorgänger der heutigen ABT Sportsline GmbH. Bis heute sind die Erfolge auf der Rennstrecke ein Wachstumsbeschleuniger bei den Allgäuern.

1905 rollt das erste Auto aus den Fabriktoren

Aber zurück zur Škoda-Historie: Václav Laurin und Václav Klement ruhen sich nicht auf den errungenen Lorbeeren aus. Sie ahnen, dass das Bedürfnis nach mehr Komfort und Luxus unweigerlich zu bequemeren Fahrzeugen führen muss. Daher entstehen bei L & K schon früh Versuchsträger von mehrspurigen Fahrzeugen, die aus Motorradteilen zusammengebaut werden. 1905 rollt das erste Automobil aus den Fabriktoren: die L & K Voiturette A. Damit zählt das Unternehmen zu den Pionieren des Automobilbaus und überzeugt mit rasantem Wachstum. Im Jahr 1907 entschließen sich Laurin und Klement zur Gründung einer Aktiengesellschaft. Die Produktpalette umfasst inzwischen neben Personenkraftwagen auch Lkw, Busse und sogar Motorpflüge sowie Straßenwalzen.

Der Erste Weltkrieg hinterlässt auch bei L & K Spuren. Es gilt, neue und preisgünstige Modelle zu entwickeln. Dies erfordert jedoch Investitionen. Daher gewinnen die Gründerväter mit den Škoda-Werken – ein Maschinenbaugigant mit Sitz in Pilsen – einen starken Partner. Am 27. Juni 1925 wird der Fusionsvertrag unterzeichnet. Fortan fahren die produzierten Autos bis Ende der 1920er-Jahre unter doppelter Flagge: Sie tragen sowohl das Škoda-Logo als auch den Schriftzug „Laurin & Klement“ auf dem Kühlergrill. Moderne Montagehallen ermöglichen in Mladá Boleslav alsbald den Wechsel zur Fließbandfertigung. 1934 folgen gleich zwei wichtige Meilensteine: der wirtschaftliche Škoda Popular mit dem gewichtssparenden Zentralrohrrahmen sowie einem Transaxle-Getriebe und der komfortable Škoda Superb, Urvater des aktuellen Flaggschiffs.

Hinterm Eisernen Vorhang sorgt das Felicia Cabrio für Freiheit

Selbst in schweren Kriegszeiten und den folgenden Jahren sozialistischer Mangelwirtschaft beweisen die Škoda-Ingenieure ihre herausragenden Fähigkeiten. Autos wie das Felicia Cabriolet verbreiten einen Hauch automobiler Freiheit hinter dem Eisernen Vorhang und werden zu Exportschlagern. In den 1950er-Jahren ist der Octavia wegweisend in der Firmengeschichte. Das Mittelklassemodell verfügt als Neuentwicklung über einzeln aufgehängte Vorderräder. 1964 leitet der Škoda 1000MB mit dem modernsten Einliter-Motor seiner Zeit die Heckmotor-Ära ein. Die Wende zum modernen Kompaktwagen mit vorn eingebautem Motor und Vorderradantrieb erfolgt 1987 durch den Favorit mit einer vom italienischen Stardesigner Guiseppe Bertone entworfenen Karosserie.

1991 übernimmt Volkswagen Škoda

1991 folgt mit der Übernahme durch Volkswagen der nächste Einschnitt. Das Produktionsvolumen liegt seinerzeit bei rund 200.000 Fahrzeugen pro Jahr, die Produktpalette besteht aus zwei Modellreihen – einem Heckmotor-Fahrzeug und dem Kompaktwagen Favorit inklusive der Kombiversion Forman. Unter dem Dach der Volkswagen-Gruppe stellt Neuzugang Škoda mit einer umfassenden Modell- und Qualitätsoffensive schnell die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft.

1996 präsentiert die Marke mit dem geflügelten Pfeil im Markenzeichen das erste vollständig unter dem Dach des Volkswagen-Konzerns neu entwickelte Modell: den Škoda Octavia, der den Grundstein für die jüngste Erfolgsgeschichte der Autos aus Mladá Boleslav legt. Die Zusammenarbeit mit Volkswagen bringt auch ABT mit den Tschechen zusammen. Seit nunmehr über zwei Jahrzehnten veredeln die Allgäuer Škoda-Modelle. Besonders beliebt sind Leistungssteigerungen und Felgen.

Von Absatzrekord zu Absatzrekord

Heute ist Škoda auf über 100 Märkten weltweit aktiv. Das vielfältige Produktportfolio umfasst mehr als 40 Modellvarianten – vom Kleinwagen Citigo bis hin zum Flaggschiff der Marke, dem Škoda Superb. Und die Fahrzeuge kommen bei den Kunden gut an. So verkauft Škoda im ersten Halbjahr 2018 allein in Deutschland 106.802 Neuwagen. Das entspricht einem Zuwachs von 8,1 Prozent und einem Marktanteil von 5,8 Prozent. Damit bleibt Škoda erfolgreichster Importeur in Deutschland. Auch international boomt das Geschäft: Allein im ersten Halbjahr 2018 werden über 650.000 Fahrzeuge ausgeliefert. Auch das ein Rekord.

Škoda führt Milliardenschweres Volkswagen-Projekt in Indien

Im Volkswagen-Konzern nimmt Škoda inzwischen eine wichtige Rolle ein und hat sich vom Technologie-Empfänger zum Impulsgeber entwickelt. So führt die Marke das von Volkswagen initiierte Projekt India 2.0, in das der Konzern eine Milliarde Euro investiert. Dabei entwickeln Škoda und Volkswagen für den indischen Markt neue Modelle im Kleinwagen-Segment. Das erste Fahrzeug von India 2.0 wird ein SUV, der 2020 vorgestellt wird. Auch er wird die typischen Gene von Škoda tragen: verlockendes Design, moderne Technik, Top-Qualität und ein überzeugendes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Auch in den Bereichen Carsharing, Digitalisierung und künstliche Intelligenz ist Škoda ein Fortschrittstreiber. Die Firmengründer Laurin & Klement hätten ihre helle Freude daran.