Vom Gejagten zum Jäger: Wochenende voller Emotionen für ABT Sportsline in Assen

Die große Liebe von ABT Sportsline zu den Niederlanden wurde bei der DTM in Assen ziemlich auf die Probe gestellt. Erstmals in diesem Jahr reiste Kelvin van der Linde nicht als Tabellenführer von einem DTM-Wochenende ab. In der Teamwertung vergrößerte sich der Rückstand auf Red Bull AlphaTauri AF Corse auf 58 Punkte.

Nach dem schwierigen Wochenende auf dem Red Bull Ring taten sich die Audi-Piloten auch in Assen insgesamt schwer. Kelvin van der Linde war an beiden Tagen der einzige Audi-Pilot, dem im Qualifying der Sprung in die Top Ten gelang. Am Samstag sicherte sich der ABT Pilot Startplatz acht, am Sonntag Startplatz fünf. Dabei bewies van der Linde am Sonntag große Nervenstärke: Weil er seine erste Qualifying-Runde wegen einer Roten Flagge abbrechen musste, fand er sich zunächst auf dem letzten Startplatz wieder. Am Ende hatte er nur eine einzige Runde, um sich in der Startaufstellung zu verbessern. Der Südafrikaner hielt dem großen Druck stand und holte sich im allerletzten Moment noch Startplatz fünf.

Im Rennen verlor van der Linde kurz nach dem Start mehrere Positionen. Mit einer guten Strategie, konstant starken Rundenzeiten und einem schnellen Boxenstopp kam er noch auf Platz vier nach vorn. Obwohl er mit weniger Gewicht und den frischeren Reifen unterwegs war, gelang es van der Linde allerdings nicht mehr, den BMW von Marco Wittmann zu überholen.

Die am Sonntag erfolgreiche Strategie schien zunächst auch im ersten Rennen am Samstag zu funktionieren: Van der Linde fuhr in einem langen ersten Stint konstant schnelle Rundenzeiten und wäre nach seinem Boxenstopp als Vierter zurück auf die Strecke gekommen. Ein für das Team völlig unerwarteter Einsatz des Safety-Cars wegen eines auf der Strecke liegenden Teils machte jedoch van der Lindes Vorsprung zunichte. Die Folge: nur Platz zwölf, ein magerer Punkt und riesengroße Enttäuschung im gesamten Team.

Auch Mike Rockenfeller wurde am Samstag das Safety-Car zum Verhängnis. Am Sonntag erkämpfte sich „Rocky“ von Startplatz 18 mit einem starken Rennen noch einen Punkt.

Riesenjubel gab es nach dem Samstagsrennen in der Box von Sophia Flörsch: Die 20-Jährige holte mit Platz neun ihre ersten Punkte in der DTM.

 

Stimmen nach den DTM-Rennen in Assen

Thomas Biermaier (Teamchef Team ABT Sportsline): „Wir mussten in Assen maximales Risiko gehen, um überhaupt eine Chance auf vordere Plätze zu haben. Wir können mit unserem Auto im Rennen praktisch nicht überholen, das hat man auch in Assen wieder gesehen. Dazu kommt der technisch bedingte Nachteil, den wir weiterhin bei den Boxenstopps haben. Deshalb konnten wir nur versuchen, Kelvin in beiden Rennen möglichst lange fahren zu lassen und so Positionen gutzumachen. Das hat am Sonntag funktioniert. Am Samstag hat das Safety-Car sein Rennen zerstört und Kelvin die Meisterschaftsführung gekostet. Selbst im Qualifying müssen wir maximales Risiko gehen, wie man am Sonntag sehen konnte. Die Runde, die er am Ende unter großem Druck hingelegt hat, war sensationell und zeigt, dass er nicht nur schnell, sondern auch mental stark ist. ,Rocky‘ hat sich auch an diesem Wochenende erneut schwergetan. Wir werden nächste Woche in Hockenheim testen und versuchen, eine Lösung für seine Probleme zu finden. Dass Sophia in Assen ihre ersten Punkte geholt hat, freut mich sehr. Toll war auch, dass so viele Zuschauer auf den Tribünen und im Fahrerlager waren – die Stimmung war großartig. Trotz der für uns schwierigen Rennen sind wir weiter große Fans von Assen und den Niederlanden.“

Kelvin van der Linde (ABT Audi R8 LMS #3): „Das war ein schwieriges Wochenende für uns. Am Samstag hatten wir Pech mit dem Safety-Car, sonst wäre Platz drei oder vier möglich gewesen. Am Sonntag haben wir auch dank der Strategie und einem schnellen Boxenstopp das Maximum aus unseren derzeitigen Möglichkeiten herausgeholt. Vielen Dank an mein Team und meine Jungs! Meine Runde im Qualifying war eine der besten, die ich je gefahren bin. Jetzt sind wir die Underdogs im Titelkampf. Es kommen noch vier Rennen, und wir werden weiter alles geben, um unser großes Ziel zu erreichen.“

Mike Rockenfeller (ABT Audi R8 LMS #9): „Ich habe aus Assen nur wenige Punkte mitgenommen, aber zumindest wieder etwas gelernt. Im zweiten Rennen am Sonntag hatte ich nichts zu verlieren. Ich konnte viel probieren und habe an meinem Fahrstil gearbeitet. Das Auto ist einfach anders als alles andere, was ich bisher in meiner Karriere gefahren bin – das merke ich immer wieder. Ich habe viel gelernt und hoffe, davon in Hockenheim profitieren zu können.“

Sophia Flörsch (ABT Audi R8 LMS #99): „Assen ist eine tolle Rennstrecke, und es war klasse, so viele Fans hier zu haben – vor allem auch so viele kleine Mädels. Das hat sehr viel Spaß gemacht. Am Samstag habe ich meine ersten Punkte in der DTM geholt. Das freut mich für meine Ingenieurin Laura, meine Mechaniker und das ganze Team. Dahinter ist nun ein Haken. So kann es weitergehen.“

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