Der ABT Cupra Ateca


Der Himmel trägt Asphaltgrau. Das Wolkenspiel, das sich darüber setzt, gibt der Hintergrundkulisse etwas Dramatisches. Die Natur der Allgäuer Bergwelt hat sich farblich entsättigt. Umso mehr flammt der rote Ateca auf. Und tatsächlich: Wir sind on fire! Wollen herausfinden, ob der Spanier so feurig fährt, wie er ausschaut. Der Blick aufs Datenblatt heizt die Vorfreude ebenfalls an: 50 zusätzliche PS und 40 Nm Drehmomentzuschlag spendiert ABT dem CUPRA Ateca. Macht unterm Strich 350 PS und 440 Nm. Keine Frage: Dieses kompakte Kraftpaket sollte genug Power haben, um selbst steilste Passstraßen einzuebnen.

„Der geht richtig gut vorwärts, Traktion ist on Point.“ - Daniel Abt

Wie deckungsgleich die Zahlenwelt des Datenblatts und die daraus abgeleiteten Erwartungen sind, soll die Fahrpraxis beweisen. Beim Sprint von 0 auf 100 km/h nimmt der ABT dem Serienmodell nach Angaben der Kemptener 0,2 Sekunden ab – braucht also 5,0 statt 5,2 Sekunden. Hört sich vielleicht nicht berauschend viel an – fühlt sich aber umso berauschender an. Vielleicht auch, weil die Angaben sehr konservativ sind. Daniel Abt beispielsweise stoppte den 100er-Sprint im ABT CUPRA Ateca beim Dreh für seinen YouTube-Clip mit 4,578 Sekunden. Zwei weitere Versuche blieben ebenfalls unter fünf Sekunden. Und: Man muss kein Profi sein, um soche Topzeiten zu erreichen, denn der Ateca verfügt serienmäßig über eine Launch Control, die solche Sprints sogar für weniger versierte Fahrer erlebbar macht.

 

Einmal Fahrt aufgenommen, spielt der ABT CUPRA Ateca sein Drehmomentplus deutlich spürbar ab 2.500 U/min aus. Beim Tritt aufs Gaspedal schiebt der drehwillige Turbo-Vierzylinder den Ateca so vehement nach vorn, dass man Angst bekommt, das Doppelkupplungsgetriebe könnte beim Schalten ins Stolpern geraten. Tut es natürlich nicht. Die merklich auf Sportlichkeit trainierte Schalteinheit sortiert die Zahnräder ebenso routiniert wie blitzschnell und sorgt so für einen ununterbrochenen Kraftfluss an die vier Antriebsräder. Die Lastverteilung übernimmt eine sensible Elektronik. Wer die Räder zum Durchdrehen bringen will, muss trotz der 440 Nm Drehmoment, die zwischen 2.500 und 5.300 U/min abgerufen werden, schon schlüpfrigen Untergrund suchen.

 

Ein Höchstmaß an Agilität

Wir wollen aber nicht die Geländegängigkeit des Ateca auf die Probe stellen – und womöglich den wunderbaren Lack beflecken – sondern seine querdynamischen Fähigkeiten. Die Allgäuer Alpen bieten dafür mehr als genug Möglichkeiten. Zum Beispiel auf dem 32 Kilometer langen Teilstück der Deutschen Alpenstraße von Ober- nach Niederstaufen. Hier finden sich Kurven verschiedenster Radien bis hin zur 120-Grad-Biegung der sogenannten Mooskurve. Mit der serienmäßigen Progressivlenkung lässt sich der Ateca wunderbar präzise und mit genau der richtigen Dosis Rückmeldungen durch die Kurvenpassagen zirkeln.

Die adaptive Fahrwerksregelung DCC erweist sich dabei als kongenialer Partner. Das System erfasst und verarbeitet permanent verschiedene Parameter und passt sich innerhalb von Millisekunden radselektiv an die Fahrbahnbedingungen an. Zusätzlich lässt sich der CUPRA Ateca über sechs verschiedene Fahrprofile manuell an die jeweiligen Streckenbedingungen oder den persönlichen Stil des Fahrers anpassen. Zur Wahl stehen die Modi Normal, Sport, CUPRA, Individual, Snow oder Off- Road. ABT unterstreicht die knackige Auslegung des Ateca auf Wunsch mit Fahrwerksfedern, die das SUV 25 bis 30 Millimeter dichter an den Asphalt bringen, und mit 20-Zoll-Rädern samt 235/35er-Bereifung.

Der enorme Aufwand, den die Ingenieure dem Unterbau des Ateca haben zugute kommen lassen, zahlt sich spürbar aus. Das für die Fahrzeugklasse übliche Untersteuern, also das Schieben der Vorderräder zum Kurvenausgang bei flotter Gangart, ist dem ABT CUPRA Ateca fremd. Stattdessen zieht das SUV stoisch seine Bahnen. Wer es drauf anlegt, kann sogar das Heck dynamisch eindrehen. Das auf sportlich getrimmte ESP zeigt sich hier erfreulich kompromissbereit.

So schnell wie der ABT Ateca über den Asphalt fliegt, so schnell verfliegt auch unsere gemeinsame Zeit mit der roten Schönheit. Das Grau des Himmels weicht langsam dem Schwarz der Nacht. Zeit zurückzukehren nach Kempten. Auf dem Parkplatz der ABT Firmenzentrale trennen sich unsere Wege. Und plötzlich steht Rot auch für Sehnsucht ...